ENRICH - European Networking Resources and Information concerning Cultural Heritage

(Dezember 2007 – November 2009)

Mit einem „Kick-off-Meeting“ in Prag startete am 3. Dezember 2007 ein im Rahmen des eContentPlus Programms angesiedeltes EU-Projekt namens ENRICH mit Partnern aus 12 europäischen Ländern.

Ziel dieses Projektes ist die Schaffung einer europäischen digitalen Bibliothek für historisches schriftliches Kulturgut wie Handschriften, Inkunabeln, Frühdrucke, Urkunden, Pläne und Archivalien aller Art. Durch die Integration bereits bestehender, jedoch über viele verschiedene Institutionen verstreuter elektronischer Inhalte in das Internetportal von "Manuscriptorium" (http://www.manuscriptorium.eu), das – getragen von der Tschechischen Nationalbibliothek in Prag – als das größte digitale Handschriftenportal Europas gilt, sollen mit Projektende insgesamt mehr als fünf Millionen digitale Bilder der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Diese hohe Zahl resultiert aus der Tatsache, dass nahezu 85 % aller schon digitalisierter Handschriften aus europäischen Nationalbibliotheken sich in Besitz von ENRICH-Partnern befinden; diese Sammlung wird durch einige hundert tausend elektronische Daten aus Universitätsbibliotheken und anderen Instituten bereichert.

ENRICH baut auf den bereits 15-jährigen Erfahrungen der Tschechischen Nationalbibliothek im Bereich der Digitalisierung und virtuellen Bereitstellung besonders von mittelalterlichen Handschriften auf. Die Ursprünge der heutigen Internetplattform „Manuscriptorium“ liegen im „Memory of the World“-Programm der UNESCO, wofür die Tschechische Nationalbibliothek im Jahr 2005 auch den UNESCO „Jikji-Preis“ erhalten hat. Momentan stellen 46 tschechische und andere europäische Institutionen ihre Daten der digitalen Bibliothek „Manuscriptorium“ zur Verfügung.

Die Voraussetzungen der Integration bereits bestehender elektronischer Informationen basieren ebenfalls auf den Errungenschaften von „Manuscriptorium“. Das Neue und Innovative an ENRICH ist jedoch die Schaffung eines Portals, das die Zentralisierung von weit verstreuten digitalen Ressourcen in einer einzigen Suchumgebung ermöglicht. Dabei werden die Metadaten vorhandener Digitalisate, die idealerweise ein XML-Format aufweisen sollten, innerhalb von „Manuscriptorium“ zentral gelagert, während die Bilddaten am Server der bereitstellenden Institution liegen.

Die Zielgruppen von ENRICH sind Bibliotheken, Museen und Archive, Wissenschafter und Studenten, Entscheidungsträger und allgemein Interessierte. Das Projekt ermöglicht die Suche und den kostenlosen Zugang zu historischen Dokumenten, deren Einsichtnahme normalerweise mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Neben Bildern werden auch TEI-strukturierte Volltexte, Forschungsressourcen, Audio- und Videodateien oder historische Pläne zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus arbeitet ENRICH eng mit „Der europäischen Bibliothek“ (TEL - The European Library) zusammen und trägt damit maßgeblich zum Aufbau einer „Europäischen Digitalen Bibliothek“ bei.

Die Benützer von ENRICH können ihre Suchergebnisse innerhalb von „Manuscriptorium“ speichern sowie eigene personalisierte Zusammenstellungen anlegen, um diese beispielsweise für Forschungen oder pädagogische Zwecke zu verwenden.

Des weiteren soll das ENRICH-Portal in mehreren Sprachen zur Verfügung stehen; auch mehrsprachige Ontologien sind in Planung, um Suchanfragen in der lokalen Sprache sowie das Auffinden von Daten in der Sprache der Quellen zu gewährleisten.

Das ENRICH-Konsortium setzt sich aus 18 Partnern zusammen, die von einer Reihe weiterer Institutionen unterstützt werden.

Die Koordination des Projektes hat die Tschechische Nationalbibliothek übernommen, Cross Czech a.s. hat das administrative und finanzielle Management inne, AiP Beroun s.r.o. fungiert als technischer Koordinator. Die anderen beteiligten Institutionen – sei es als Datenlieferer oder technische Berater – sind folgende: die Oxford University Computing Services, das Zentrum für Kommunikation und Integration von Medien der Universität Florenz, das Institut für Mathematik und Informatik in Vilnius, SYSTRAN S.A in Paris, das Nordische Forschungsinstitut der Universität von Kopenhagen, die Universität für Technologie und Ökonomie in Budapest, die Nationalbibliotheken von Spanien, Florenz und Island, die Universitätsbibliotheken von Vilnius, Wrocław und Island, das Árni Magnússon-Institut in Reykjavik, das Institut für Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung der Universität zu Köln, das Diözesanarchiv St. Pölten sowie das Zentrum für Supercomputer und Netzwerke in Poznań.

Interesse an einer Teilnahme an ENRICH wurde von den Nationalbibliotheken in Ungarn, Kasachstan, Moldawien, Polen, Rumänien, Serbien, Schweden und der Türkei sowie von den Universitätsbibliotheken in Bratislava, Bukarest und Heidelberg bekundet.